Anlassen – gezielte Zähigkeit und Massstabilität nach dem Härten
Beim Anlassen (Tempern) werden gehärtete Bauteile kontrolliert erwärmt, um Eigenspannungen abzubauen, Zähigkeit zu erhöhen und die Zielhärte einzustellen. So entstehen masshaltige, belastbare Komponenten – mit reproduzierbarer Qualität von der Musterfertigung bis zur Serie.
Das Anlassen – auch Tempern genannt – ist ein zentraler Schritt der Wärmebehandlung. Nach dem Härten oder schweißtechnischen Beanspruchen bringt es Bauteile zuverlässig in das geforderte Eigenschaftsfenster. Mit präzise geführten Temperatur‑Zeit‑Zyklen stabilisieren wir Härte, Zähigkeit und Masshaltigkeit – für langlebige, betriebssichere Komponenten.
Beim Anlassen werden zuvor gehärtete (martensitische) oder spannungsbehaftete Bauteile unterhalb der unteren Umwandlungstemperatur für eine definierte Zeit erwärmt und anschliessend kontrolliert abgekühlt.
Ziele des Prozesses:
Abbau von Eigenspannungen zur Riss- und Verzugsvorbeugung
Einstellung der Zielhärte bei gleichzeitig höherer Zähigkeit
Stabilisierung der Masshaltigkeit für präzise Toleranzen
Verbesserte Dauerfestigkeit und Betriebssicherheit
Das Ergebnis ist ein ausgewogenes Eigenschaftsprofil mit angelassenem Martensit bzw. anwendungsgeeignetem Gefüge – die Grundlage für belastbare Bauteile.
Vorteile des Anlassens
Weniger Rissrisiko & Verzug dank Spannungsabbau
Härte nach Spezifikation – ohne unnötige Sprödigkeit
Konstante Qualität durch dokumentierte Prozessführung
Mass- und Formstabilität für eng tolerierte Präzisionsteile
Serientauglichkeit: reproduzierbar vom Einzelteil bis zur Grossserie
Typische Einsatzfälle
Nach dem Härten / Abschrecken
Für tribologisch belastete Komponenten, die Zähigkeit bei definierter Härte erfordern
Nach dem Schweissen: Spannungsarmtempern im unteren Anlassbereich
Typische Temperaturfenster (Richtwerte)
Die Wahl der Anlasstemperatur steuert das Verhältnis von Härte und Zähigkeit (werkstoff- und anwendungsabhängig):
Niedriger Anlassbereich (~150–250 °C):
Spannungsabbau bei hoher Härte, z. B. Einsatzstähle
Mittlerer Anlassbereich (~250–450 °C):
Umwandlung des Restaustenits, z. B. Werkzeugstähle
Hoher Anlassbereich (~500–650 °C):
Maximale Zähigkeit bei reduzierter Härte, z. B. Vergütungsstähle
Mehrstufiges Anlassen (z. B. 2–3 Zyklen) ist bei hochlegierten Werkzeugstählen üblich, um Restaustenit zu minimieren und Eigenschaften zu stabilisieren.
Anlassen (typisch ~150–650 °C) folgt meist dem Härten und stellt Härte/Zähigkeit ein; Spannungsarmglühen (werkstoffabhängig ~450–650 °C) zielt primär auf Spannungsabbau, auch bei nicht gehärteten, z. B. geschweissten, zerspanten und umgeformten Teilen.
Bei hochlegierten Werkzeugstählen sind 2–3 Anlasszyklen üblich, um Restaustenit zu reduzieren und die Eigenschaften zu stabilisieren. Umfang und Parameter legen wir auf Basis von Werkstoff und Zielwerten fest.
Anlassfarben deuten Temperaturbereiche an, sind aber kein verlässlicher Qualitätsnachweis. Entscheidend sind prüfbare Messwerte und die Prozessdokumentation.
Unser neuer Check hilft Ihnen dabei in kürzester Zeit eine professionelle Einschätzung möglicher Projekte im Rahmen unserer Verfahren über die Umsetzbarkeit zu erhalten. Wir informieren Sie ob und wie eine Realisierung möglich wird.
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